DIE GRÖßTEN HELDEN AVENTURIENS

G7

G7 – Die sieben Gezeichneten – Teil III

Kapitel III: Der erste Hinweis (20.Hal)

G7[7] In einem Krämerladen in Beilunk legte ich mir ein kleines Oktav Bändchen zu, um meine Reise für den Orden zu dokumentieren. Hätte ich geahnt, das aus diesem kleinen Buch mehrere Dutzend werden würden, das ich mir nächtelang die Finger wund schreiben würde, um Berichte, Briefe, Bittgesuche und anderes zu schreiben, ich bin mir heute nicht mehr sicher, ob ich damals diesen ersten Schritt getan hätte.

In Warunk wollte ich Abschied von Tobrien nehmen. Mit einem Kanten Brot, bestem Sembelquast und einer Karaffe Wein hatte ich es mir im „Eisenhelm“ an einem der Tische bequem gemacht, als ich ungewollte Gesellschaft bekam. Ein junger, lebhafter Norbarde in ärmlicher Straßenkleidung, einem mächtigen Schnurrbart in seinem faltenlosen Gesicht und einem verschmitzten Lächeln setzte sich an meinen Tisch, der – wie immer – der einzige zu sein schien, an dem noch Platz war. Dieser Gerd Gaskan redete viel und schnell, und bald zeigte sich, dass er wohl denselben Reiseweg hatte, wie auch ich. Ich hatte schon lange keinen Reisegefährten mehr gehabt, und so stimmte ich zu, dass er mich begleitete. Er hatte sogar eine Mitfahrgelegenheit für sich aufgetan, einen mürrischen Händler, den er wohl damit geködert hatte, das eine echte Geweihte der Löwin ihn begleiten würde. Eigentlich interessant, wenn ich bedenke, wie schicksalhaft diese erste Begegnung für den Verlauf der nächsten Jahre sein würde. Unsere Reise führte uns auf der relativ sicheren Route nordwärts, Ysilia entgegen. Sorgen machte ich mir nur, als der Sichelpass in Sichtweite war. Zu oft schon hatten die Rotpelze hier Hinterhalte gelegt, und dass wir jetzt mit einem Händler unterwegs waren, machte die Sache nicht besser.

Ein kühler Wind machte die Hitze hier oben etwas erträglicher, doch als sich mir die Nackenhaare aufrichteten, war ich mir sicher, dass es nicht von diesem Lüftchen kam. Und wirklich: Herzschläge später waren wir von dutzenden Rotpelzen umzingelt, die in radebrechendem Garethi unser Gold und unsere Waffen forderten. Meinen mageren Beutel konnten sie gerne haben, aber meine Waffen würden sie ohne Kampf nie bekommen. Das schien auch Gerd zu bemerken, der in der Sprache der Goblins etwas dazwischenrief, wie ich später von ihm erfuhr klärte er die Unwissenden darüber auf, das ich eine Frau der Götter war. Doch anstatt mir den Respekt zu zollen, der mir gebührte, schickten sie mir einen Abgesandten ihrer Götzen, einen Ork. Bei Hesinde, selbst für einen Schwarzpelz hatte er einen Gesichtsausdruck, als ob die Göttin ihn übersehen hatte, als sie ihre Gaben verteilt hatte.

Ohne Sinn für Taktik stürmte er mit gezogener Waffe auf mich los, und als er zum Überkopfschlag ansetzte, wich ich aus und versetzte ihm einen Schlag mit dem Schwertknauf, um sein Mütchen zu kühlen. Doch das schien wenig zu nützen. Wieder derselbe Überkopfschlag – wie phantasievoll – und dieses Mal konterte ich mit einer Berg´schen Finte, um anschließend mein Schwert in sein Praiosgeflecht zu stoßen.

Nachdem er den Abhang hinab gekollert war, zogen sich die Goblins fassungslos zurück.

Vom Pass aus konnte ich zum ersten Mal das Ziel meiner Reise sehen: Donnerbach und den von unheilvoll flackernden Gewitterwolken umgebenen Neunaugensee, um den sich so viele Legenden rankten, dass ich sie gar nicht alle im Kopf behalten konnte. Damals dachte ich wie groß und wunderbar die Welt sei und wie wenig ich von ihr gesehen hatte, heute habe ich wohl mehr gesehen, als jeder Mensch zuvor, und trotz alle dem finde ich die Schönheit der Welt immer noch so wunderbar und unglaublich wie zuvor.

Als Gerd und ich in Ysilia ankamen, konnten wir mit eigenen Augen die Zerstörungen ansehen, die der Ogerzug vor 8 Jahren angerichtet hatte. Es ist mir bis heute ein Rätsel, wie es irgendjemand geschafft hat, diesem gewaltigen Ansturm zu trotzen. Die reichen Bürger hatten ihre Häuser auf den Hügeln der Stadt schon längst wieder restauriert und hinter Zäunen und Gittern verborgen, während die Viertel der Ärmeren noch immer dalagen, als wären die Oger erst gestern durch die Strassen gezogen. Ich verbrachte einige beschwingliche Stunden mit Gerd in einer liebfeldschen Teestube und später in einer Hafentaverne. So viel geredet wie in den letzten Tagen hatte ich wohl schon lange nicht mehr – ich hatte den jungen Norbarden schon ins Herz geschlossen, ohne es zu wissen.

Ohne weitere Geschehnisse kamen wir in Donnerbach an. Naturgemäß führte mich mein erster Weg in den Tempel der Göttin, der so wundervoll ist, dass mich sogar Gerd begleiten wollte, auch wenn er sich wohl eher Phex zugehörig fühlt. Das Tosen des Donnerfalles, dass man an jedem Punkt in der Stadt hört, ist schier unglaublich, wenn man erst mal direkt davor steht. Fast schien es mir, als ob die Göttin mit mir sprechen würde, wie damals im nostrischen Wald, als ihr Donnerschlag meine Ohren zum Erzittern brachte. Das Gefühl, ein kleiner, aber bedeutender Teil der Göttin zu sein, ist hier so stark wie nirgendwo sonst, so dachte ich zumindest damals, und auch das Innere des Tempels, der prachtvoll mit Gold, Waffen, Statuen und anderem Kunstwerk geschmückt ist, überwältigte mich .

Ich verbrachte fast zwei Wochen im Tempel, um zu beten, als die Göttin wohl meine Frage gehört hatte. Ein Bruder im Glauben, Rondrigo von Donnerbach, trat an mich heran. Er meinte in mir etwas Besonderes zu erkennen und bat mich, einen sehr wichtigen Brief an eine Glaubensschwester mit Namen Utlana nach Kvirasim zu überbringen. Wenn das der Weg war, den die Göttin für mich vorgesehen hatte, dann wollte ich ihn gerne gehen, vor allem da Gerd mich noch ein Stück des Weges weiter begleiten wollte, da es ihn ebenfalls in den Norden trieb – geschäftlich, sagte er.

Die Reise in die Salamandersteine war zu dieser Jahreszeit etwas beschwerlich, ehrlich gesagt war mir einfach nur viel zu kalt. Doch schon bald sollten wir das wärmende Herdfeuer einer Passhütte erreichen. Gerd musste für meine Übernachtung aufkommen, da mein Geldbeutel nach dem Zusammenstoß mit den Goblins nicht mehr allzu gut befüllt war, doch auch ein größeres Problem kam auf mich zu. Der Wirt dieser kleinen Hütte meinte nur, dass wir uns eine rasche Weiterreise aufgrund der Regenfälle wohl aus dem Kopf schlagen könnten – Matschlawinen und Erdbretter könnten uns beim Abstieg mitreißen. Ich bedankte mich für diese Warnung, und hatte durchaus vor, sie ernst zu nehmen, denn die Gewalten, die Sumu manchmal entfesseln kann, sind meistens nicht für unsere kleinen, zerbrechlichen Leiber gemacht.

Am nächsten Morgen hörte ich bereits Gespräche und Gelächter aus dem Schankraum, anscheinend waren in der Nacht noch andere Reisende angekommen. Bei einem ausgiebigem Frühstück – es regnete noch immer in Strömen – lernte ich die vier Wanderer kennen. Vor allem ein junger Adeptus, der sich als Zerbereus von Salikum vorstellte, weckte meine Aufmerksamkeit. Nicht nur, das er ausgesprochen höflich und freundlich war, noch dazu war er auf einer sehr abenteuerlichen Queste: Er erzählte etwas von einem alten Magierturm inmitten eines Labyrinthes, der irgendwo in den Salamandersteinen stehen sollte.

Genauso befremdend wie seine Worte war auch die Gruppe, die ihn begleitete: Ein etwas tumber, aber sympathischer Thorwaler namens Erik, Rondan, ein stiller Vertreter des kleinen Volkes, der überraschenderweise weder mit Axt noch Kettenhemd ausgestattet war, und Van, den ich auf Anhieb als Kundschafter und Jäger einordnen konnte.

Wir saßen alle gemeinsam auf diesem Pass fest und waren auf der Suche nach Abenteuern, was sollte also anderes passieren, als dass wir uns zusammenschlossen und uns gemeinsam auf die Suche nach diesem Magierturm machten? Ich hatte zwar nicht allzu viel Interesse an der Magie, aber Zerbereus erwähnte auch einige Gefahren, die wohl auf der Suche nach dem Turm auf ihn lauern konnten, und ich konnte diesen blutjungen Adepten, der sich noch dazu noch nicht einmal mit seinem Zauberstab verteidigen konnte, doch nicht alleine losgehen lassen. Gerd witterte vermutlich Schätze, und was die anderen bewog, sich der „Expedition“ anzuschließen, wusste ich damals nicht, aber am Nachmittag machten wir uns auf, um den Grat des Berges nach Hinweisen abzusuchen. Der Wirt warnte uns noch vor einem Kobold, der am Pass sein Unwesen treiben solle, und wirklich fanden wir den spaßigen Kerl –unglücklicherweise. Dieser Zappelig trieb seine Späßchen mit uns allen und auch ich wurde Opfer eines seiner Zauber, ein schreckliches Gefühl nichts dagegen tun zu können.

Durch eine List konnten wir den Standort des Turmes von diesem Kobold erfahren, doch er versuchte mit allen Mitteln, uns vom Erreichen unseres Zieles abzuhalten. Er gaukelte uns sogar den Ausbruch eines Feuerberges vor, und stellte uns zu guter Letzt einen schwarzen Ritter in den Weg, der mir wahrhaft versuchte weiszumachen, das meine himmlische Herrin durch ihn sprechen würde. Damals lernte ich so einiges über magische Illusionen, doch kann ich heute noch immer nicht zwischen Wahrheit und Trugbild unterscheiden.

Am nächsten Tag erreichten wir das Tal, indem Zerbereus den Magierturm vermutete. Er bezog sein Wissen aus einem uraltem Magierbuch, das er in einer Bibliothek im lieblichen Feld, seinem Heimatland, aufgestöbert hatte. In dieser felsigen Gegend schien Rondan, der Zwerg regelrecht aufzublühen – wohl das einzige, das er mit den axtschwingenden Angehörigen seines Volkes gemeinsam hatte. Wir kamen mehr schlecht als recht voran, und Efferd beschenkte uns überreichlich mit seinen Gaben. Der Untergrund war entweder schlammig oder felsig, und es war feucht und kalt. Ohne Dach über dem Kopf wären wir vielleicht einer Krankheit anheim gefallen, doch Rondan war es, der mich überraschte. Dieser Zwerg gebietet über die Gabe Madas, und er nutzte sie, um ein Wesen zu rufen, das von Zerbereus als eine Art Erz – Dschinn klassiert wurde. Heute weiß ich, zu was ein Geode fähig ist, aber mit meinem damaligen Blick auf die Welt erschien mir jede Art der Magie fast wie ein Wunder.

Und wundersam war auch, was wir noch alles in diesem Tal bestaunen durften. Wir erreichten eine Felsspalte, die wohl hundert Schritt breit und mehrere hundert Schritt tief war. Van meinte dort unten Weinterrassen, Felder und sogar einen Bootssteg ausmachen zu können, also musste es dort vielleicht Bewohner geben. Doch erstaunlicher war die Art und Weise, in der wir die Felsspalte überquerten. Ein wohl uralter Mechanismus ließ eine Art Pflanzenbrücke wachsen, die den Abgrund überspannte. Rondan war kaum zu bewegen, in dieser luftigen Höhe sein Leben einigen Ranken zu übergeben, doch gemeinsam überquerten wir die Schlucht und fanden auf der anderen Seite auch eine Möglichkeit einen Fluss, der uns schon seit Eintritt in das Tal begleitete zu überqueren. Wir kamen in einem kleinen Wäldchen an, das erste Anzeichen von Natur in diesem sonst kargen Tal, und irgendeine Macht, entweder Tsa´s gütige Gabe oder Magie sorgte für reichlichen Bewuchs, selbst die Tiere, die wir sahen schienen mir friedvoll und freundlich.

In der Mitte dieses Wäldchens fanden wie eine kleine Hütte, die laut Zerbereus früher wohl die Heimat einer Hexe gewesen war. Interessant war vor allem eine Ansammlung von Tränken und Tinkturen, von denen eine sogar magischer Natur war, wie der Adeptus feststellte. Und auch Van pflichtete ihm bei – anscheinend war auch er magisch begabt. Langsam fing ich an mich zu fragen, ob ich wohl der einzige Mensch war, den Hesinde nicht mit ihrer Gabe gesegnet hat.

Im Laufe der Nacht, die wir im gemütlichen Inneren der Hütte verbrachten, vertraute Gerd mir an, dass auch er ein Heimatloser wie ich ist, sein norbardischer Vater ist von seinem Stamm verstoßen worden. Tragisch wie viele Menschen ihre Heimat verlieren müssen…

Am nächsten Morgen wurde ich Zeuge, wie Zerbereus einen Versuch mit dem Zaubertrank machte, er verwandelte sich in eine Fledermaus… wir hatten somit eine Möglichkeit, den stark angeschwollenen Fluss zu überqueren. Sogar Erik war zu überreden dies auf diese Art zu tun, und so machten wir uns daran, in Gestalt eines solchen Flattermannes den Fluss zu überfliegen. Doch Van schien Schwierigkeiten zu bekommen, mitten über dem Wasser verwandelte er sich wieder zurück und stürzte wie ein Stein ab. Erik sprang auf und versuchte sich im Laufen seiner Kleidung zu entledigen, doch er strauchelte und mir war sofort klar, dass ich Vans letzte Rettung war. Ich sprang in den eisigen Strom und konnte Van unter Aufwand all meiner Kräfte ans Ufer ziehen Wir brauchten noch den ganzen Tag, um mich und Van wieder einigermaßen gesund zu bekommen, dann konnten wir den Fluss abends überqueren, um am nächsten Tag unsere Suche weiter zu führen.

Ausgeruht begannen wir am nächsten Morgen einen Weg zu finden, um den Abstieg ins Tal zu wagen. Rutschend und stolpernd kamen wir voran, doch wir erreichten nach einigen Stunden unbeschadet das Tal. Wild und fruchtbar lag es vor uns, und nach einigen Meilen Marsch entlang des Flusses sahen wir unser Ziel: Einen hellweißen Turm, der auf einer kleinen Insel inmitten eines Sees lag.

Ein Boot führte uns wie von Zauberhand auf die Insel, doch wie erschreckend war es, als wir den Turm komplett leer vorfanden, es gab noch nicht einmal eine Decke! Nach längerer Suche fanden wir unter dem Staub von Jahrhunderten eine Bodenplatte, durch die wir in ein unterderisches System eindringen konnten.

Nach einer schweigsamen Wanderung in einem Gangsystem, fanden wir uns vor einer riesigen Halle wieder. Noch bevor ich die Lage richtig erkannt hatte, war Gerd schon im Raum, Flammen schossen aus den Wänden und der Norbarde blieb inmitten des Raumes liegen. Ich konnte sengendes Fleisch riechen, doch mussten wir jetzt vorsichtig handeln. Mir blieb keine Möglichkeit, als auf die Götter zu vertrauen: Vorsichtig trat ich auf eine weiße Bodenplatte, denn die andere Farbe der Platten war rot, die Farbe des Herrn Ingerimm und des Feuers. So erreichte ich Gerd und Rondan konnte sich um seine Verbrennungen kümmern. Ich und Zerbereus gingen schon vor, und fanden uns vor einem Hesindezeichen wieder, vor dem sich uns ein interessanter Anblick bot: Ein großes Portal, verziert mit Gold und Edelsteinen und einem Schriftzug, den der junge Adeptus uns übersetzen konnte:

„Nur wer den wahren Glauben hat, hier einzutreten hier vermag. Auch wenn meine Zeit ergeht, dieses Tor auf ewig steht.“

Es schien, als müssten wir die Zeichen der Götter in der richtigen Reihenfolge zu drücken, doch hatte dies nicht den gewünschten Erfolg. Beim zweiten Versuch merkten wir, dass sich das Zeichen des Phex sich uns entzogen hatte. Doch blieb mir und meinen Gefährten, die sich geschlossen eingefunden hatten, keine Zeit, um zu beratschlagen, eine skelletierte Hand brach aus der Steinwand, eine Sanduhr in den Knochenfingern. Der Sand rieselte unaufhaltsam, und als ich fast schon die Flammen spüren konnte, schrie Zerbereus aus, und drückte das Zeichen des Phex, drei Diamanten, die im Dreieckszeichen angeordnet waren. Das Tor öffnete sich – und schloss sich auch wieder hinter uns – der Ausweg schien versperrt, wenigstens blieb uns dann nur noch eine Richtung, in die wir uns wenden konnten.

In den folgenden Stunden stießen wir auf einige Hindernisse, die der Erbauer dieser Anlage uns in den Weg stellte. Eine unsichtbare, glühendheiße Barriere, konnte Zerbereus nur unter Aufwand all seiner Kräfte und seines Zauberstabes brechen, ein Rätsel über Boron und Praios war zu lösen, allerdings waren wir dabei unter Zeitnot, da die Decke begonnen hatte, sich zu senken. Van war es, der in letzter Sekunde den Mechanismus eines Aufzuges zum Laufen brachte. Wir wurden hinab in die Dunkelheit gezogen – vorerst waren wir davon gekommen…

Was wir in diesem Stockwerk fanden, war damals einfach unglaublich, heute sehe ich es als ersten Fingerzeig der Götter auf das, was bald unser ganzes Leben verändern sollte.

In einer Halle, die größer war, als der Platz der Zwölfgötter in Gareth fanden wir eine Art Bildergalerie, in der wir die Geschichte unseres Kontinents fanden, vor allem die erste Dämonenschlacht wurde hier dargestellt, wie mir Zerbereus damals versicherte. Am interessantesten war aber ein Block aus purem Onyx, der wohl ein weiteres Bildnis verbergen sollte, dazu später aber mehr.

Die folgenden Stunden waren fast eine Art Alptraum, die mich später noch nächtelang verfolgen sollten… Mich erwartete ein Kampf gegen ein Elementarwesen, meine Gefährten schworen Stein auf Bein, dass ich in diesem Kampf gefallen wäre, aber trotz allem fand ich mich unverletzt wieder, doch das war noch nicht das schlimmste:

Wir fanden eine Schatzkammer mit allen erdenklichen Reichtümern vor, doch das, was sich auf immer in meinen Kopf eingebrannt hatte, sollte erst folgen. Nach und nach schien ein Gefühl in uns zu entstehen, ich bin heute fast sicher es war einer der erzdämonischen Wesenheiten, die sich damals in unsere Gedanken schlich. Ich weiß nur, dass wir uns damals fast gegenseitig zerfleischt hätten, ich war nahe daran, Rondra nicht mehr in mein Herz zu lassen, doch wie es schien, haben wir die Prüfung damals bestanden, ich kann mich nur noch an das Gefühl erinnern, nach dem erwachen am Fuße der Treppe wieder die Nähe meiner Göttin zu fühlen. Später wurde ich auch noch oft in Versuchung geführt, doch dieses erste Mal war wohl das Schlimmste und nur dank dem Zuspruch meiner Gefährten, habe ich auch damals bestanden.

Wir machten uns an den Aufstieg in ein weiteres Stockwerk, wo wir eine Küche vorfanden! Wie froh war ich in diesem kleinen und verstaubtem Raum zu stehen und mit meinen Gefährten mit einem mehrere hundert Götterläufe alten Weinbrandes anzustoßen, de Erik in der Vorratskammer gefunden hatte. Gerd schätzte später, dass jeder Schluck etwa 75 Dukaten wert gewesen sein muss!

Beim weiteren erkunden fanden wir Schlafzimmer und Arbeitszimmer, doch bei weiterem Treppauf erreichten wir eine Art Thronsaal, allerdings saß auf dem Thron ein Skelett, ein Buch und einen Stab in Händen… Wie groß war mein Entsetzen, als ich sah, wie unheiliges Leben in das Skelett fuhr, und wie groß war meine Verwunderung, als ich in meinem Kopf plötzlich Worte vernahm…

„Die Götter haben euch eine Rolle zugedacht, die weder Du noch ich in ihrer Ganzheit vollständig bereifen können. Ihr werdet es schaffen. Ihr müsst es schaffen..:“

Nach diesen Worten zerfiel das Skelett zu Staub und der Berg, der Boden, begann zu zittern und zu beben. Wir ergriffen die Flucht so schnell wir konnten, nach unten und quer durch die Halle der Bilder. Teile der Decke brachen ein, und sogar die Onyxtafel fiel um und zerbarst … ich warf einen Blick auf das, was dahinter verborgen war, und mir stockte der Atem:

Eine große Kriegerin im Kampfgewand der Göttin, eine pechschwarze Klinge in ihren Händen. Verbrannt war ihre Hand, verkohltes Fleisch hing an ihren Knochen. Ihr Blick war Hass, ihr Schrei Blut, ein entsetzliches Wandbild, wie aus meinen Gedanken, und das war es auch: Es war ich selbst, wie ein Abbild meiner Seele in ihren tiefsten Abgründen … und heute weiß ich, dass das Bildnis auch das wieder spiegelte, was ich einst werden könnte, den Göttern sei Dank, dass dem niemals so war …

Über herabfallende Steine, die aus der Decke fielen lief ich zu meinen Gefährten in Richtung der Plattform, kaum hatte ich sie erreicht, rasten wir nach oben und wurden im Norden des Tales herausgeschleudert. Das ganze Tal schien zu beben, Teile des Berges begruben den Abfluss des Flusses und wir mussten mit ansehen, wie aus dem Tal in Windes Eile ein See wurde. All die Wunder und Gefahren, die wir gesehen und bestanden hatten, waren mit einem Mal verloren, niemand würde davon erfahren, niemand würde uns glauben!

Auch unser Wirt war blass, als er unsere ansichtig wurde – denn laut ihm waren wir fast einen Mond lang weg gewesen … Doch dem wollte ich erst mal keine Aufmerksamkeit zollen, denn wichtig war nur eines: In einem warmen Bett zu schlafen !

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