DIE GRÖßTEN HELDEN AVENTURIENS

Prolog

Dunkle Schatten – Prolog zum 50. Spielabend

50. Spielabend: DUNKLE SCHATTEN

Weiden. Würziger Rehbraten. Saftiges Gerstenbier. Bärentod! Das Scheppern der Plattenteile, Geruch von Waffenöl, Schweiß und zaghaft sich durchsetzend nach Parfüm, importiert aus dem lieblichen Feld. Lockige Frauengesichter, ein höflich bis aufforderndes Lächeln, Kleider nach Garether Mode, die Hüfte betonend. Die Löwenmähne Walpurgas, das ernste Gesicht mit dem Flunkern, ganz so wie man es vom Vater Waldemar kannte… Ihr wünschtet ihr wäret noch in Weiden. Doch ihr seid es nicht…

Der Eingang der Höhle ragte wie ein gewaltiges Maul aus dem finsteren Stein. Als ihr die Höhle betreten hattet, war alles Licht verschwunden, als hätte das Maul es aufgesogen. Schroffer Stein ragte zur eurer Linken wie zur Rechten, bedeckt von phosphorisierenden Pilzen und Algen, die im Dunkeln um ihr Leben rankten. Der Stein wirkte selbst im Fackellicht blaß, kränklich… Das Licht der Fackel wirkte fahl, als fehle ihm die Kraft hier voll zu leuchten. Die Finsternis schien an dem Feuer zu zerren, so wie an euch…

Ihr machtet keine Dutzend Schritte, da wurde das klamme Gefühl der Bedrohung so groß, dass ihr euren ganzen Mut für die nächsten Schritte sammeln musstet. Etwas lag in der Höhle, unsichtbar und doch spürbar. Das dunkle Gefühl von Bedrohung, das Flüstern einer uralten Macht.

Eurer Gefahreninstinkt schrie so laut in eurem Kopfe, dass es schwierig war die Gefährten zu verstehen. Ihr hattet euch bereits auf ein Flüstern verständigt. Die Waffen gezogen schlich die Gruppe weiter.

Ihr machtet grausige Entdeckungen. Ausgezehrte Menschenkörper, Zwergen, Elfen. Allesamt gefangen im Eis und von unnatürlicher Todesbläße, als habe man sie hier konserviert, nachdem jeglicher Funken Sykarian aus ihrem Leib gesogen worden war. In ihren Augen lag eine hoffnungslose Gebrochenheit, die keiner von euch lange ertragen konnte. Hier offenbarte das Schicksal seine grausame Seite. Keiner der Gefährten wünscht sich selbst oder dem Kameraden solch einen Tod… Doch dies markierte erst den Beginn der Entdeckungen… Riesig sahet ihr dort im Eis ihn aufragen! Breitschultrig noch immer, obwohl für einen der seinen doch ausgezehrt. Das zottelige Haar, die knorrige Keule, das borkige Gesicht. All dies verriet euch, dass ein wahrhafter Troll dort im Eis gefangen stand. Waren seine Zähne spitz ..? spitzer als euch bekannt ..? Oder spielte die Phantasie euch einen bösen Streich..?

„Hört ihr das Flüstern?“

Du weißt nicht mehr, welcher deiner Gefährten dir die Frage stellte. Lieber wäre es gewesen, du hättest sie ignoriert, denn ab diesem Zeitpunkt verstummte dein Gefahreninstinkt in blanker Agonie und machte dem Wispern der Höhle Platz. Ganz leise, im Pianissimo, erschauderte dich der Gesang der Steinwände, bis sich die Melodie steigerte, hin zu Forte Fortissimo, zu einer Kakophonie aus Schreien und Krakelen, hinausgewürgt von zweistimmig klingenden Kinderstimmen.

„Seht nach oben…“

Dein hesindianischer Verstand rät dir, das zu unterlassen. Doch die Neugier ist stärker. Und du hebst den Kopf.

Vermutlich musste dir sämtliche noch verbliebene Lebensfärbe aus dem Gesicht gewichen sein. Schon hättest du das Klirren deiner Waffe auf dem Stein vermutet, da sie dir aus der Hand gefallen war. Doch du umklammerst die Waffe fest, so fest, dass die Knöchel weiß hervortreten.

Ist der Geruch von Verwessung in der Luft? Nein, es riecht nach Tod…

Im ewigen Eis gefangen füllte er die ganze eisige Decke aus. Bläulich schimmernde Schuppen. Ein schlanker Leib, schlank für die Länge des Unwesens. Der Drache musste sich perfekt im Schnee tarnen können, vermutlich war er sogar unsichtbar in dieser eisigen Landschaft, wenn er wollte. Er wirkte majestätisch und erhaben, und dein Verstand weigerte sich zu akzeptieren, dass solch ein gewaltiges Wesen ein Ende gefunden haben musste. Lächerlich… Was vermochte einen Eisdrachen – gar einen Frostwurmdrachen – zu töten ..!

Da machtet ihr euch in die nächste Höhle auf…

Die Tempeln der Götter erkannte man sofort an dem Geruch, der einem entgegenströmte, öffnete man das Portal. Auch diesen Ort erkanntest du sofort am Geruch, obgleich du noch nie hier gewesen warst. Es war ein Tempel der Finsternis.

Als stütze sie die Höhle, ragte die steinerne Statue hoch auf. Fast bis zur Decke gereichte sie. Kein Pilz, keine Alge, kein Lebewesen wagte es sich ihr zu nähern. Sie musste wohl seit einer Ewigkeit hier stehen. Glatt gehauen. Imposant. Bedrohlich. Sie zeigte eine stolze, schlanke menschliche Figur, androgyn wirkend. Nur so sehr du dich anstrengtest, du konntest kein Gesicht ausmachen… Der NAMENLOSE!

Im Eis siehst du nun, woher der Gesang stammt. Er ist noch immer präsent. Ein Flüstern im Ohr mal hier, mal dort ein schreckliches Kreischen, das den Himmel erzittern lässt. Überall im Eis siehst du die firnelfischen Kinder. Ein grausames Lächeln im Gesicht. Spitze Zähne. Ein unnatürlicher Teint. Die Feymalia! Elfenvampire. Es mussten hunderte hier gefangen sein. Gefangen im Eis…

„Seht dort..!“ Die Stimme erstickt…

Du weigerst dich hinzusehen, spannst alle deine Muskeln an. Doch eine unsichtbare Kraft dreht deinen Kopf wie den einer Mirhamionette in die Richtung, in die dein Gefährte weist… Dort sind zwei weitere Eissäulen zu sehen, in denen sich zwei Konturen abzeichnen… Eine firnelfisch schlank wirkende Gestalt in einer schwarzen (!) Rüstung, die Augen geschlossen… Daneben eine ebenso schlank wirkende Gestalt, allerding das Haar schwarz (für Firnelfen wohl ausgeschlossen…). Das Gesicht kannst du nicht erfassen… Es ist wie die schleierhafte Erinnerung an einen Alptraum… Die beinah nackte Gestalt suggeriert aber nicht weniger Bedrohlichkeit.

„Die Narren!“ Eine nackte Firnelfe tritt aus dem Schatten. Ohne hinsehen zu müssen, weißt du, wer SIE IST. „Sie haben das Siegel der Trolle gebrochen.“ Ihr schrilles Kichern lässt Risse in das Eis brechen. „Es ist soweit…“

Du blickst Pardona in die güldenen Augen. Ihre Worte lullen dich ein. Für einen kurzen Moment heißt du sogar gut, was hier geschieht! Dann kannst du wieder deine Gedanken kontrollieren, lässt sogar den Gesang der vampirischen Elfenkinder verstummen und starrst die Legatin des Namenlosen herausfordernd an.

Dhaza Halla… das meinten also die Firnelfen mit diesem Ort. Ein Tempel des Namenlosen!

Als du dich bereits machst, um gegen die höchsten Diener des gefallenen Gottes anzutreten, das Tropfen des schmelzenden Eises sich zum rhythmischen Schlagen einer Kriegstrommel in deinem Geiste sich anschickt, kapituliert dein Verstand plötzlich. Denn in diesem Moment brechen die eisigen Niederhöllen selbst über dich herein.

Mit einem gewaltigen Paukenschlag und dem infernallischen Geheul Nagrachs selbst schießen Eissplitter durch die Luft! Du spürst Schmerzen… Blut an der Wange, am Waden, am Unterarm… Dein Trommelfell droht zu platzen! Das Geheul ist so laut wie ein anrückendes Heer von Eisbarbaren! Du stemmst dich gegen den Sturm. Ein Blizzard. Tobt. Unaufhörlich. Du schreist. Presst dir die Hand gegen das Ohr! Splitter! Überall! Schmerzen!

Nur Pardona wirkt ruhig in dieser Kakophonie und lässt ihren Blick abwartend über die Gestalten streifen, die sich nun aus der eisigen Gefangenschaft befreit haben. FEYANGOLA! ARANTAWALA-lässt-Himmel-kreischen! Eines der dreizehn legendären Augen des Namenlosen! Und der uralte Feylamia und Urfeind der Grinfey’e [garethi: Firnelfen]!

Mit einem Male ebbt der Sturm ab. Nagrachs Hauch lässt dich erzittern. Dünnes Eis liegt auf deiner Waffe, deinem Gewand, der Rüstung, selbst auf deiner Haut. Es erinnert dich an den Rauhreif, der in der Früh Feld und Wiese bedeckt.

Ihr schwarzrotes Haar wallt lange herab, bis über die Brust, die sonst kaum bedeckt wäre. Das laszive Kleid zeigt mehr Haut als es bedeckt, es ist sogar so dünn, das du fast meinst hindurch zu sehen. Die Augen wirken eher wie Eiskristalle, die Haut wie dünnes, feines Eis. Aber mehr noch als ihr Gesicht verlangt ES deine Aufmerksamkeit, ein Ding, das sie um den Hals trägt, ein Splitter…

Warum bist du hier? Und welch Queste fordern diesmal die Götter von dir. Ist dies die große Heldentat, die letzte Herausforderung, von der Recken wie ein Raidri Conchobair oder Melcher Dragenodt schwärmten? Ist dies der letzte Tag, an dem sich das Schicksal erfüllt, der letzte Kampf, von dem ein Tronde Torbenson träumte? Fühlst du dich eben so wie Reichsbehüter Brin im Ingerimm, als die Dämonen sich vor ihm manifestierten, um ihn zu zerreißen… So einsam fühlte er sich? So allein? So hoffnungslos…

Du blickst zu deinen Gefährten. An so vielen Tagen war dir schon bewusst geworden, dass Besonderes euch verbindet, ebenso wie eure Taten besonders sind. Sie überragen die meisten Heldengeschichten, die von Skalden oder Minnesängern bisher gesungen wurden. Ihr habt Kurkum überstanden, eure Lanzen für Ysilia gebrochen und das Schwert tief ins Herz einer Dämonarche getrieben. Ihr habt die Konfontation mit Borbarad selbst überlebt!

An diesem Tage aber meint ihr bereits das Rauschen von Rabenflügel zu hören, das Poltern und Gezeche an Rondras Tafel oder den Gesang Swafnirs und seiner Recken, die belehrende Stimme Hesindes, den liebevollen Gesang Rahjas oder das Heulen des weißen Wolfes…

Doch angesichts des Todes ist dir eines bewusst. Du wirst nicht alleine sterben.

Möge sich die Schattenlanze erheben.

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Guten Rutsch ins neue Jahr und viel Spass zum 50. Spielabend.

(C) Ulisses Spiele

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